Man kommt nicht darum herum.
Meistens ist es eher lästig, aber man muss da durch. Man kann es nun geschickt mit möglichst wenig Aufwand machen oder einen nerventötenden Behördengang hinter sich bringen.
"Man muss die Hand küssen, wenn man sie nicht beissen kann".
Vieles kann man sehr wohl steuern, damit das elegant geht. Es gibt einige Fehler, welche man vermeiden sollte.
Ich gebe hier keine Ratschläge, ich sage nur wie ich es jeweils mache und fast immer gut gefahren bin.
Obwohl, ich muss sagen ich habe da ein grosses Handycap. Ich fühle mich den "Sesselfurzern" überlegen. Deshalb muss ich mir echt Mühe geben das nicht auszuspielen.
Der Auftritt.
Korrekte Kleidung, lange Hosen Schuhe, Hemd, auch wenn's klimatisch nicht so angenehm ist sind die Grundvoraussetzungen. "Kleider machen Leute" (Gottfried Keller)
Die Haltung höflich aber sehr bestimmt. das beginnt mit einem eindeutigen Augekontakt und einer laut und unmissverständlich vorgebrachten Bitte mit mir zusammen zuarbeiten.
Bietet er mir eine Stuhl an, so ist das schön, andernfalls stehe ich in aufrechter Haltung mindestens zwei Meter vor seinem Pult. Dann wird es nämlich für ihn ungemütlich.
Ich erwarte, dass er mich als Kapitän eines Schiffes behandelt. Auf Winkzeichen reagiere ich grundsätzlich nicht, sondern frage höflich und bestimmt das er gerne haben möchte. Quittiere allenfalls mit "understood Sir".
Wenn er die militärische Masche anschlägt quittiere ich mit einem unüberhörbarem "Sir yes Sir!". Dann merkt er plötzlich, dass meine militärischen Erfahrungen vermutlich etwas länger als seine dauerten. Und siehe da, plötzlich bedient er sich auch eines zivilen Tones
Frauen können hinderlich sein!
Wir halten es so. In den Ländern und Gebieten wo Männer in der Regel einer Frau die Hand zur Begrüssung nicht reichen gehe ich allein zu den Ämtern. Für so einen Mann wäre es eine unerträgliche Schmach, wenn er vor einer Frau etwas verhandeln oder gar zugestehen müsste.
Die Sprache.
Wenn ich seine Sprache sprechen kann so tue ich das. Andernfalls verlange ich eine Konversation in Englisch. Die gesamte Seefahrt kommuniziert in Englisch, also kann ich verlangen, dass die Hafenbehörden diese Sprache auch in dem einfachsten Ansätzen verstehen. Wenn das nicht möglich ist bitte ich um einen Übersetzer. Dies natürlich nur wenn es um wirklich wichtige Dinge geht.
Die Papiere.
Ich gebe nie Originalpapiere ab. Ich arbeite immer mit Farbkopien. Die sehen sehr echt aus und wurden bis heute immer anerkannt. Es kann mal vorkommen, dass sich ein Beamter aufspielen und Macht demonstrieren will indem er die Papiere einbehält. Das ist mir in Griechenland auch einmal passiert. Ich habe dem Beamten gesagt das widerspräche den Vorschriften. Ich sei nach unserem Recht verpflichtet meiner Auslandsvertretung darüber Meldung zu machen. Bis dann würden wir die Verhandlungen unterberechen. Ich war noch nicht zur Türe gegangen, dann hatte ich meine Papiere (Kopien) wieder.
Backshish.
Gebe ich nur in Notfällen. Es ist in den vergangenen 12 Jahren nur einmal vorgekommen. Der Grenzbeamte wollte mich nicht ausreisen lassen. Er behauptete ich sei länger als 90 Tage im Land gewesen. Man könne den Stempel im Pass nicht so gut lesen. 10 Minuten später lag dann ein Geldschein auf der entsprechenden Seite im Pass und ich wurde mit einem freundlichen "have a nice trip"
verabschiedet.
Was hat der alte Fritz einmal gesagt: "Wer mit Affen spielt, wird gelegentlich gebissen".
Gehe nicht zum Fürst, wenn Du nich gerufen würst!
Grundsätzlich gehe ich nur zu den Behörden wenn ich ein Transitlog machen muss oder wenn ich dazu aufgefordert werde.
Es ist ja so, dass man in jedem Land neu einklarieren müsste, auch wenn man sich innerhalb des Schengenraumes bewegt. Die Seegrenze ist in jedem Schengenland auch Schengenaussengrenze!
Das kümmert aber meistens niemanden. Im Gegenteil es kann als unbotmässige Störung empfunden werden
Dürfen wir an Bord kommen?
Diese Frage habe ich einmal mit ja beantwortet. Das war ein Fehler. Das Resultat eine gewaltige Schikane und ein Fiasko.
Man sagte mir im nachhinein ich hätte ja zugestimmt, dass drei Beamte an Bord kommen dürften. Ich hätte sie sozusagen eingeladen (das war in Nordeuropa).
Sollte so etwas nochmal geschen würde ich sagen: "Meine Einwilligung an Bord zu kommen haben sie nicht. Wenn sie jedoch eine rechtliche Grundlage haben dies trotzdem zu tun so bitte ich sie um eine Rechtsbelehrung. Ich werde keinen Widerstand leisten, wenn sie trotzdem an Bord kommen".
Nun muss die Gegenseite absolut korrekt vorgehen und diese Massnahme auch begründen können!
Meistens geht es ganz locker.
Viele dieser Grenz- Zoll-, Hafen-, Gesundheitsbeamten wollen mit möglichst wenig Ärger und Aufwand ihren Job erledigen. Die meisten geben sich auch Mühe in der Konversation und sind behilflich beim Bürokram. Die negativen Ausnahmen muss man halt entsprechend "behilflich" sein.